Ich habe das Thema bereits im Beitrag Wie lange sollte man zur Hundeschule gehen? angerissen, aber mir gedacht, dass es sinnvoll wäre, das Thema mal mit mehr Tiefe anzugehen. Ja, wie bei so vielem im Leben, es gibt gute und schlechte Seiten. Doch woran erkennt man, dass eine Hundeschule schlecht ist?
Da gibt es doch erstaunlich viele Punkte, die eine Hundeschule „schlecht“ machen
Leider habe ich die Erfahrung selbst gemacht. Es ist allerdings schon 10 Jahre her. Doch auch schon vor 10 Jahren, war die Erziehung von Hunden eine andere, als sie vielleicht noch vor 20 Jahren üblich war. Erschreckend ist, dass ich auch heute noch flüchtige Kontakte hatte, die meinen, um einen Hund stubenrein zu bekommen, müsse man ihn mit der Schnauze in die Notdurft drücken. Das ist natürlich totaler Quatsch. Heute weiß man es besser. In puncto Erziehung läuft im Grunde genommen alles auf positive Bestärkung hinaus. Hat der Hund etwas gut gemacht, wird er dafür belohnt. Ein Muster, was sich durchgesetzt hat, Gott sei Dank. Also, was sind denn nun die wichtigsten Punkte, an denen man eine schlechte Hundeschule erkennt?
1. Die behördliche Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 8f des Tierschutzgesetzes (TierSchG) fehlt
Um gewerblich als Hundetrainer/in zu agieren, ist es heutzutage notwendig, die behördliche Erlaubnis nach §11 Abs. 1 Nr. 8f zu haben. Doch gibt es da draußen sicherlich Menschen, die sich als Trainer ausgeben, die solch eine Erlaubnis nicht haben. Hier ist wirklich Vorsicht geboten, denn es ist zumindest ein Beweis dafür, dass der Trainer bzw. die Trainerin Ahnung von der Materie haben, auch wenn das Berufsbild Hundetrainer/in (noch) kein offizieller Ausbildungsberuf ist.
2. Nicht auf individuelle Bedürfnisse eingehen
Als ich vor etwa 10 Jahren mit meiner vorherigen Sheltie-Hündin Jiggy eine Hundeschule hier in Köln besuchte, haben wir uns nicht gut aufgehoben gefühlt. Damals hatte ich noch nicht ganz so viel Erfahrung, aber ich habe schnell gemerkt, dass da irgendwas nicht stimmte. Jiggy wurde immer drangsaliert von anderen und die Trainerin meinte: „Ach, machen die schon unter sich aus.“ Was für mich nach heutiger Sicht natürlich völliger Blödsinn ist. Wenn ein Hund deinen Schutz sucht, gib deinem Hund den Schutz und lass ihn nicht hängen. Das ist ein Vertrauensbruch. Leider haben wir es damals nicht besser gewusst und blieben längere Zeit dort. Zum Leidwesen für uns. Denn Jiggy hat dort außer den Grundkommandos nicht viel gelernt und war den Rest ihres Lebens eher ängstlich und zurückhaltend. Es gab keine individuellen Tipps oder Ratschläge, sondern frei nach gusto: Programm durchziehen.
3. Wert auf Sozialisierung wird nicht gelegt
Ich bin mir inzwischen sehr sicher, dass Sozialisierung einer der allerwichtigsten Parts der Hundeerziehung ist. Einige Hundeschulen haben dafür sogar Extrakurse. Find ich toll! Dennoch sollte es vor allem in Welpenkursen aber auch ein fester Bestandteil der regulären Stunden sein. Auch wenn es nur ein paar Minuten sind. Natürlich aber auch nicht nur. Bist du in einer Hundeschule gelandet, in der jeder ausschließlich nur „für sich“ trainiert, kann das auch ein negatives Zeichen sein.
4. „Nur“ der Hund wird trainiert
Hund und Mensch sind ein Gespann. Nicht nur der Hund muss ans Frauchen oder Herrchen angepasst werden, sondern auch der Mensch an den Hund. Das Verständnis füreinander muss gemeinsam wachsen. Wenn nur der Hund an den Menschen angepasst wird, kann das nicht gut gehen. Meiner Meinung nach müssen sich beide so gut es geht kennenlernen und auf die Bedürfnisse des anderen eingehen. Es gibt aber auch Hundeschulen (wie zum Beispiel bei der, wo ich vor etwa 10 Jahren war), die das Gesamtkonzept nicht vermitteln und den Fokus nur auf den „nicht hörenden“ Hund verlegen. Auch das ist ein gutes Beispiel für eine schlechte Hundeschule.
5. Der Impfpass wird nicht verlangt
Gerade in Gruppenstunden, wenn viele Hunde aufeinander treffen, wäre die Gefahr einer Infektion (wie zum Beispiel Staupe, Hepatitis und Parvovirose) ziemlich hoch. Deshalb ist es inzwischen sogar Pflicht, dass gewerbliche Hundeschulen den Impfpass verlangen. Tut das die Hundeschule nicht, ist das ein Warnzeichen und spricht für eine schlechte Hundeschule.
6. Archaische Erziehungsmaßnahmen kommen beim Training zum Einsatz
Wie ich schon erwähnt habe, es gibt einige Menschen, die heute noch glauben, dass den Hund mit der Nase in die Pfütze oder ins Häufchen drücken hilft, um den Hund stubenrein zu bekommen. Was noch so ein ganz klassisches Beispiel wäre, den Hund mit der Zeitung zu schlagen, wenn er gerade nicht gehorcht. Dabei wäre die Zeitung sehr wichtig, dass er die Zeitung nicht mit der Hand des Besitzers in Verbindung bringt oder dem Hund gezielt in den Nase zu pusten, bei was auch immer er falsch gemacht hat. Da gibt es leider sehr viele Überbleibsel aus vergangenen Tagen. Die alle ganz schrecklich sind. Solltest du das Gefühl haben, dass dein Hund bzw. die Hunde in der Hundeschule mit solch ähnlichen oder ähnlichen Methoden erzogen werden, sucht lieber das Weite. Heutiger Standard ist, wie auch schon angeschnitten: Positive Bestärkung. Punkt.
7. Erfolgserlebnisse und gesteckte Trainingsziele bleiben aus
Etwas ganz Wichtiges vorne weg: Du kannst als Besitzer nicht erwarten, dass sich der Trainingserfolg in kürzester Zeit einstellt! Hunde sind individuelle Wesen. Was bei einem ganz schnell geht, kann bei dem anderen natürlich etwas dauern. Erfolg stellt sich nicht über Nacht ein und du solltest dir auch im Klaren darüber sein, dass du am Ball bleiben musst. Einmal die Woche zur Hundeschule allein reicht nicht aus. Das ist wie beim Instrument lernen. Üben, üben, üben. Wiederholungen sind das Allerwichtigste. Es gibt aber auch Hundeschulen, denen ist dein individueller Fortschritt egal. Gute Trainer/innen feiern Teilerfolge mit dir und geben dir Feedback. Ja, auch wenn es manchmal heißt, dass du als Mensch selbst zu faul bist. Von nichts, kommt bekanntlich nichts. Sollte es dem Trainer oder der Trainerin aber egal sein, kann das auch ein Punkt für eine schlechte Hundeschule sein.
Es gibt natürlich noch weitere Anzeichen
Die Punkte die ich erwähnt habe, sind wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Es sind aber auch die Punkte, über die ich mir am meisten Gedanken machen würde, bei der Wahl einer Hundeschule. Vor allem habe ich es versucht auf die Punkte runterzubrechen, die mir als Besitzer vor 10 Jahren schon echt weitergeholfen hätten. Habt ihr noch weitere Erfahrungen, die ihr gern teilen würdet, schreibt es mir gern in die Kommentare! Vielleicht habe ich ja was ganz wichtiges vergessen.